Stadttauben verstehen

tauben-paarWoher nur kommen Abscheu, ja Verachtung vieler Menschen gegenüber Tauben? Meisen, Rotkehlchen – mit Freude und Stolz werden sie an winterlichen Futterstellen begrüßt. Wir unterteilen gerne. Genauso wie Hunde und Katzen geliebt, Schweine und Kühe gegessen werden. All dies hat keinen »realen« Hintergrund, es findet nur in unseren Köpfen statt.

Fangen wir an, unsere auf- und abwertende Brille abzulegen und schauen stattdessen mit Liebe auf jedes Lebewesen.

Fördern wir Empathie, Einfühlungsvermögen, schon bei den Kleinen: Lassen wir nicht zu, dass Kinder Tauben jagen oder erschrecken. Stoppen wir sie und verdeutlichen, wie es wäre, sie selbst würden erschreckt – wie ginge es ihnen. Es ist nicht anders. Erzählen wir ihnen und anderen vom Leben der Tauben.

Der folgende Bericht von Wildvogel-Expertin Sabine Brunelli macht deutlich: Tauben haben unter uns Menschen zu leiden – nicht umgekehrt.

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zitat-blau-20 Die meisten von uns nehmen Stadttauben allenfalls wahr. Sie sind einfach da. Emsig pickend laufen sie zu unseren Füßen, sitzen auf Denkmälern, Mauervorsprüngen und Fenstersimsen und begleiten den Stadtbesuch mit ihrem Gurren. Mit Sympathie schauen die wenigsten auf die grauen Vögel. Eher wird Abscheu, Ekel und manchmal sogar Hass dem Stadtbewohner entgegen gebracht. „Ratten der Lüfte“, „Krankheitsüberträger“ oder „fliegender Bakterienbomber“ hört man, wenn die Sprache auf Stadttauben kommt. Der Kot zersetze Gebäude, die Tauben selbst seien gefährliche Krankheitsüberträger und Schmarotzer des Menschen, die sich satt und fett an den Abfällen fressen.

Dass die Tauben nicht wirklich fett, gesund und glücklich in unseren Abfällen schwelgen, bemerkt man spätestens dann, wenn man sich näher mit dem Stadtbewohner beschäftigt.

Getreide, Sämereien und Grün zählen zu der eigentlichen Nahrungsquelle der Tauben. Da diese aber in einer Stadt kaum zu finden und die nächsten Felder zu weit entfernt sind, bleibt den Tauben aus der Not heraus nichts anderes über, als sich von unseren Abfällen zu ernähren, um zu überleben. Pizza, Pommes, Wurst und so manch andere unappetitliche „Hinterlassenschaft“ lässt den Kot der Tauben breiig werden und die Vögel anfällig für Erkrankungen jeglicher Art.

Satt und fett werden die Tauben von unserem Abfall ganz sicher nicht. Viele von ihnen sind, gut versteckt durch ein aufgeplustertes Federkleid, mangelernährt und dünn.

Aber nicht nur die essbaren Abfälle von uns Menschen machen die Tauben krank.

Achtlos auf die Straße gefegte Fäden, lange Haare oder Verpackungsmaterial legen sich bei der Nahrungssuche um die Füße und Zehen der Vögel. Unfähig, sich der Fäden zu entledigen, schneiden diese immer tiefer ins Fleisch und führen langsam aber sicher dazu, dass Zehen und Gewebe absterben. Die Schmerzen sind immens und durch offene Stellen dringen Bakterien ins Gewebe ein, die zu weiterem Leid führen. Ein Irrglaube lässt die meisten Mitmenschen bei den verstümmelten Füßen an eine gefährliche Krankheit denken, die solche Verkrüppelungen hervorruft. Aber auch hier ist es wieder unser Abfall, der den Tieren Schmerzen und Leid zufügt. Aber die meisten Menschen schauen sich die Tauben nicht einmal so genau an, als dass sie die Verstümmelungen wahrnehmen würden.

Ein weit größerer Teil würdigt sie kaum eines Blickes. Zu groß ist die Angst und Sorge, sich durch die Tauben eine gefährliche Krankheit zuzuziehen. Dabei sind die meisten Erkrankungen wie bei jedem Tier artspezifisch und das Risiko einer Infektionsübertragung nicht größer als durch andere Wildvögel und unsere Heimtiere. Zu oft wird dabei vergessen, dass der weitaus größte und gefährlichste Krankheitsüberträger für den Menschen dieser selbst ist.

Die Tauben leiden in der Stadt und sind doch durch ihre Vorfahren an die städtischen Bauten gebunden. Als ursprüngliche Felsentaube haben sie ihr Habitat eigentlich in steilen Felsklippen. Mangels dieser Landschaft in unseren Breitengraden weichen die Tiere auf ein ähnliches Umfeld ab. Statt Felsvorsprüngen und Nischen nutzen sie Fenstersimse, Mauernischen und Balkone. Auf einem Baum wird man eine Stadttaube nie brüten sehen. Darum schlagen auch alle Versuche fehl, die gefiederten Mitbewohner der Stadt in ländlichere Gegenden mit bewaldeter Fläche zurück zu drängen.

 

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[ssba]

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